Erklärungen

Elektrophysiologische Untersuchungen

Elektroencephalographie (EEG)

Das EEG ist eine diagnostische Methode, die schon seit mehr als 50 Jahren zum Einsatz kommt. Beim EEG wird mit Hilfe von Oberflächenelektroden die elektrische Aktivität des Gehirns gemessen. Während der circa 30-minütigen Untersuchung wird die elektrische Spontanaktivität der Hirnoberfläche digital gespeichert. Rund 10 Minuten werden für das schmerzfreie Befestigen der Elektroden – meist mittels Hauben oder Bändern – benötigt, die Ableitung dauert ca. 20 Minuten. Nach einem EEG ist Haarwaschen unvermeidlich, vor einem EEG wünschenswert! Während der EEG-Ableitung sitzt der Patient in einem bequemen Stuhl.
Das EEG kommt bei verschiedenen neurologischen Erkrankungen zum Einsatz und spielt besonders bei der Untersuchung von Epilepsien eine entscheidende Rolle.
Das EEG ist in der Routinediagnostik eine schmerzfreie und ungefährliche Methode, die auch jederzeit und beliebig oft ohne Probleme für die Gesundheit des Patienten wiederholt werden kann.

Elektroneurographie (ENG/NLG) und Elektromyographie (EMG)

Bei der Elektroneurographie werden sensible und motorische Nerven elektrisch stimuliert, um die Nervenleitungsgeschwindigkeit (NLG) und Leitfähigkeit von Nerven zu messen. Die Stimulation kann als unangenehm, meist aber nicht als schmerzhaft, empfunden werden. So können Funktionsstörungen der peripheren Nerven (z.B. Polyneuropathie oder Karpaltunnelsyndrom) festgestellt und es kann zwischen Schädigungen der Nervenscheide (Demyelinisierung) und Schädigungen der Nervenfasern (axonaler Schaden) unterschieden werden.
Beim EMG wird mit Hilfe von Nadelelektroden die elektrische Aktivität der Muskeln gemessen. Mit Hilfe der Untersuchung lassen sich Erkrankungen der Muskeln (Myopathien) von Erkrankungen der Nerven (Neuropathien) unterscheiden.  Bei Bandscheibenvorfällen, Nervenverletzungen oder –entzündungen, degenerativen Erkrankungen des peripheren Nervensystems oder Myopathien lassen sich Informationen über das Ausmaß und die Akuität gewinnen.

Gibt es bei der Elektroneuro- und -myographie auch Risiken?

Elektrische Impulse können zur Irritation von Herzschrittmachern führen. Daher wird man bei Schrittmacherträgern besonders vorsichtig sein oder auf die Untersuchung verzichten.
Die Elektromyographie kann bei der Bluterkrankheit (Hämophilie), bei Behandlung mit Marcumar oder höheren Heparindosen, ganz selten auch mit Azetylsalizylsäure zu kleinen Muskelblutungen führen. Diese sind aber fast immer so geringfügig, dass man sie nicht einmal bemerkt. Infektionen durch die Nadeln sind durch Fortleitung von Hautkeimen in die Tiefe möglich, aber sehr selten. Sollte der Patient an durch Blut übertragbaren Krankheiten leiden (z. B. infektiöser Hepatitis = Gelbsucht, AIDS), so muss er dies dem Untersucher unbedingt sagen. 
In Regionen mit Wundheilungsstörungen sollte man ebenfalls keine elektromyographische Untersuchung durchführen.

Evozierte Potentiale (AEP, VEP, SSEP)

Die evozierten Potentiale untersuchen die Reizleitung von Sinnesorganen zum Gehirn und werden mittels Elektroden direkt von der Kopfhaut abgeleitet. Untersucht werden die Sehfunktion (visuell evozierte Potentiale, VEP), die Hörfunktion (akustisch evozierte Hirnstammpotentiale, AEHP) und das Berührungsempfinden (somatosensibel evozierte Potentiale, SSEP).
Anwendung finden die Verfahren bei chronisch-entzündlichen ZNS-Erkrankungen, Tumoren und Erkrankungen der Wirbelsäulen und des Rückenmarks.

Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Gefäße

Die Dopplersonographie und farbkodierte Duplexsonographie sind spezielle Ultraschalluntersuchungen der hirnversorgenden Arterien.

Damit können präzise und sicher Einengungen (Stenosen) und arteriosklerotische Veränderungen (z.B. Ablagerungen) der Schlagadern diagnostiziert werden. Die Untersuchung ist sehr wichtig bei der Ursachenklärung von Schlaganfällen und Durchblutungsstörungen des Gehirns und als Vorsorgeuntersuchung, insbesondere beim Vorliegen von Risikofaktoren wie z.B. Bluthochdruck.

Die Untersuchung ist vollkommen schmerzlos und ungefährlich und kann bei Bedarf beliebig oft wiederholt werden. Sie dauert je nach Schwierigkeitsgrad ca. 20 bis 30 Minuten. Es werden mit einer Ultraschallsonde und Kontaktgel die Hauptschlagadern am Hals und die Arterien im Gehirn im Bereich der Schläfe untersucht. Dabei können die Arterien im Bild und die Blutströmung in Farbe und als akustisches Signal dargestellt werden.

Testverfahren zur Hirnleistung (Aufmerksamkeit und Gedächtnis)

Viele Menschen leiden unter Konzentrations- und Gedächtnisstörungen. Dafür gibt es viele Ursachen. Häufige Auslöser können z.B. Stress, Angst und Depression sein. Für die Unterscheidung zwischen einer subjektiv empfundenen vorübergehenden Gedächtnisstörung und einer organischen Erkrankung des Gehirns, z.B. einer Demenz, steht die neuropsychologische Testung zu Verfügung. Dabei kann auch eine Aussage über das Stadium der Demenz getroffen werden.

Die Untersuchung erfolgt im Rahmen einer Befragung. Dabei werden standardisierte Tests wie der DemTect, der Mini-Mental-Status-Test und der Uhren-Test verwendet. Es werden verschiedene Hirnleistungsbereiche untersucht, u.a. Merkfähigkeit, Sprachverständnis, visuelles Wiedererkennen, Orientierung und Aufmerksamkeit.

Lumbalpunktion

Gehirn und Rückenmark sind von Nervenwasser (Liquor) umgeben, es handelt sich hierbei um eine wasserklare Flüssigkeit. In speziellen Fällen kann die Analyse derselben daher sehr wichtig sein.

Die Untersuchung wird in unserer Praxis ambulant durchgeführt.

Nach Aufklärung wird unter sterilen Bedingungen eine speziell nur dafür geeignete Einmalkanüle im Bereich der Lendenwirbelsäule zwischen die unteren Lendenwirbelkörper geführt. Durch diese Kanüle wird eine noch dünnere eingeführt, die ihrerseits den das Nervenwasser umschließenden Bindegewebsschlauch passiert und das Abtropfen von wenigen Millilitern Nervenwasser ermöglicht. Anschließend werden die Kanülen wieder entfernt und der Patient kann nach einer Ruhephase im Liegen die Praxis wieder verlassen.

Sie können den Untersuchungsablauf beschleunigen, indem Sie möglichst entspannt sind. Natürlich hat fast jeder Angst vor dieser Untersuchung. Das wissen wir und versuchen eine möglichst unverkrampfte Atmosphäre herzustellen. Wir informieren über jeden Untersuchungsschritt. Der Schmerz sollte sich für Sie in etwa wie bei einer Blutabnahme darstellen.

Da die Punktion in einer Höhe erfolgt, in der das Rückenmark nicht mehr verläuft, kann die Methode nie zu einer Rückenmarksverletzung führen. Die Bezeichnung „Rückenmarkspunktion“ ist daher falsch. 
Nur selten (<10%) auftretende Kopfschmerzen verschwinden allerdings im Liegen sofort und können dann im Einzelfall eine eintägige Bettruhe ratsam werden lassen.

Vor jeder Lumbalpunktion ist eine Untersuchung der Blutgerinnung erforderlich.

Infusionstherapien

Die Behandlung eines akuten MS-Schubes mit Kortison-Infusionen oder des MS-Verlaufes mit Natalizumab erfolgt ambulant in der Praxis.